Irena Błażejewska
Geboren am 24. April 1944 – so steht es in ihrer Geburtsurkunde, die Irena Błażejewska nach jahrelangen Nachforschungen in Köln schließlich fand. Diese aufzuspüren war gar nicht leicht. Denn getauft wurde Irena Błażejewskaauf den Namen Erika. Die Unklarheit über das Datum und ihren Namen erzählt viel über die Umstände von Irena Błażejewskas Geburt.
Sie ist eines von 77 Kindern, deren Geburt im Krankenlager Gremberger Wäldchen dokumentiert ist. Irenas Mutter, Anastasja Młynarczyk, war zuvor aus einem kleinen Ort in der Nähe von Kielce in Polen nach Deutschland deportiert worden. Hier sollte sie in einer Näherei Zwangsarbeit leisten. Doch dafür war sie zu schwach und das Arbeitsamt wies sie einem Bauern in Mönchengladbach als Haushälterin und Feldarbeiterin zu. In der von dem Bauern betriebenen Gaststätte lernte Anastasja Młynarczyk Irenas Vater kennen. Anastasja wurde schwanger, aber die Beziehung hielt nicht lange. Während ihrer Schwangerschaft erkrankte sie an einer Lungenentzündung und wurde ins Krankenlager im Gremberger Wäldchen eingewiesen.
In der notdürftig ausgestatteten Entbindungsbaracke des Lagers brachte sie Irena zur Welt. Eine Krankenschwester ließ sie unter dem Namen Erika taufen, da ihre Mutter noch zu schwach war, um dies selbst zu tun. Nach der Geburt musste Anastasja direkt zurück an die Arbeit. Sie war gezwungen, in einer Schreinerei Sprengkörper in Kisten zu verpacken – zusammen mit anderen Müttern. Im Keller lagen ihre Säuglinge in Kisten, die sie im Schichtdienst versorgten. Während eines Bombenangriffs war Anastasja an der Reihe und konnte gemeinsam mit Irena im Keller überleben.
Nach der Befreiung Kölns durch die Amerikaner lebte Irena Błażejewska noch drei Jahre mit ihrer Mutter und ihrem neuen Partner, der auch Irenas Vater wurde, im Displaced-Persons-Lager in der ehemaligen Hacketäuerkaserne in Köln-Mülheim. Zurück in Polen kehrte die Familie wieder auf den Hof der Mutter in die Nähe von Kielce zurück. Dort waren die Überlebenskünste von Anastasja gefragt: Sie sammelten Beeren und Pilze im Wald und stellten Strickware für den Verkauf her. Ein sehr mühsames Leben, wie Irena berichtet. Zudem litt Anastasja Młynarczyk noch immer an Tuberkulose. Wegen der häufigen Krankenhausaufenthalte ihrer Mutter musste sich Irena um ihre Geschwister kümmern und konnte keine höhere Schule besuchen.
Dies holte sie als Erwachsene nach. Sie verließ das Dorf und arbeitete in den neuen polnischen Gebieten in verschiedenen ländlichen Kulturzentren. Mittlerweile ist sie Großmutter; ihre drei Kinder und Enkelkinder besuchen sie häufig in der Nähe von Małbork, wo sie heute mit ihrem Mann Krzysztof lebt.