Lidija Kiwwa
Lidija Konontschuk wurde am 19. Januar 1923 in Njanewka (Kreis Malyn, Oblast Schytomyr, Ukraine) geboren. Ihre Eltern arbeiteten auf einer Kolchose. Nachdem sie zunächst mehrfach einer Festnahme entkommen war, wurde sie im Alter von 19 Jahren gemeinsam mit ihrer Cousine und weiteren Menschen ihres Heimatdorfes am 4. November 1942 nach Köln verschleppt. Sie fuhren sechs Tage lang in einem unbeheizten Güterwaggon aus Holz. Nach ihrer Ankunft ging es zu Fuß weiter in ein Lager an der Deutz-Mülheimer-Straße, im Stadtteil Köln-Mülheim, das vermutlich auf dem Gelände der heutigen Stegerwaldsiedlung lag.
Und die Waggons waren keine Personenwagen, sondern in denen Güter transportiert wurden, zum Beispiel Holz oder andere Dinge.
Dort wurde sie unmittelbar zur Arbeit im städtischen Arbeitsamt eingeteilt. Doch schon bald erkrankte sie an den Nieren und wurde im Krankenhaus behandelt. Als sich ihre Situation verschlechtert, wurde sie ins Krankenlager im Gremberger Wäldchen geschickt. Dort sollte sie auf ihren Rücktransport in die Heimat warten, zu dem es nie gekommen ist. Trotz miserabler Versorgung war Lidija Kiwwa nach etwa einem Monat Aufenthalt im Krankenlager wieder genesen und kehrte zurück ins Lager in Köln-Mülheim.
Lidija wurde dem Gauarbeitsamt in der Breite Straße zugeteilt, um dort Flure, Büro und Schreibtische zu putzen. Wie sie später erzählte, fuhr sie verbotenerweise mit der Straßenbahn zur Arbeit. Um nicht aufzufallen, entfernte sie dafür die Kennzeichnung mit dem Kürzel OST (für Ostarbeiter), die sie gezwungen war, auf ihrer Kleidung zu tragen. So waren auch ihre Kinogänge und Spaziergänge kleine Akte der Selbstbehauptung und des inneren Widerstands gegen das System der Ausbeutung ihrer Lebenszeit und Arbeitskraft.
Als ein Luftangriff im Winter 1944 / 1945 das Gebäude des Gauarbeitsamts traf, wurde Lidija nach Gummersbach gebracht. Auch von hier aus unternahm sie – trotz Verbots – immer wieder Ausflüge nach Köln und ins Umland. Als dies bekannt wurde, musste sie in ein Straflager - doch ihr gelang die Flucht. Gemeinsam mit einer Freundin schlug sie sich nach Köln durch und heuerte unter anderem Namen in einer Gaststätte an. Dort wurde sie im März 1945 von den Amerikanern befreit.
Nach wenigen Wochen in einem Camp für Displaced Persons in Aachen, kehrt Lidija Kiwwa im Oktober 1945 in ihre Heimat zurück. Kurz darauf heiratete sie und bekam 1947 den ersten ihrer drei Söhne. Im Jahr 2001 wurden ihr für drei Jahre Zwangsarbeit in Deutschland kaum mehr als 500 DM Entschädigung zugesprochen.