Sergej Stepanow
Sergej Alexandrowitsch Stepanow wurde am 6. Oktober 1924 in Nikolajew (Ukraine, Sowjetunion) geboren. Als Offizier der Roten Armee geriet er im Alter von 19 Jahren im August 1943 schwer verwundet in deutsche Kriegsgefangenschaft. Mit weiteren 200 Offizieren brachte man ihn in ein Kriegsgefangenenlager bei Limburg (Stalag XII A) und von dort aus im März 1944 in eine Fabrik nach Mainz, wo er schwere Zwangsarbeit verrichten musste. Nachdem er sich dort über die harten Arbeitsbedingungen beschwert und zu Arbeitsverweigerung aufgerufen hatte, wurde er denunziert und ins Stalag XII A zurückgebracht. Wochenlange Einzelhaft folgte, ehe er im Juni 1944 vom Gestapo-Gefängnis Frankfurt am Main in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt wurde.
Ende September 1944 gelangte Stepanow nach Köln ins Messelager, ein Außenlager des KZ Buchenwald. Als Teil des Bombensuchkommandos musste er nun Blindgänger freilegen und entschärfen. Nicht wenige Häftlinge kamen bei dieser gefährlichen Arbeit ums Leben. Gemeinsam mit einem Freund gelang ihm am 22. November 1944 die Flucht. Da die Gefahr aufzufallen für flüchtige Zwangsarbeiter:innen hoch war, versteckte er sich einige Zeit im Krankenlager im Gremberger Wäldchen.
Mit neuer Frisur (man hatte Zwangsarbeiter:innen zur Wiedererkennung einen Streifen in die Haare geschnitten) lebte er anschließend unter falschem Namen im Barackenlager der Klöckner-Humboldt-Deutz AG und arbeitete ab Februar 1945 im Werk Kalk. Kurz vor Kriegsende hielt er sich erneut im Krankenlager Köln-Gremberg versteckt. Dort wurde er am 8. April 1945 Zeuge des Massakers, das Angehörige des „Volkssturms“ bei der Räumung des Lagers verübten und bei dem zahlreiche Zwangsarbeiter:innen ermordet wurden.
Am 11. April 1945 wurde Stepanow in Köln befreit. Nach einem Aufenthalt im DP-Lager Köln-Dellbrück kehrte er im August 1945 in die Sowjetunion zurück, wo er aufgrund seiner Gefangenschaft Repressionen ausgesetzt war, denn Kriegsgefangene wurden oft der Kollaboration oder des Verrats verdächtigt. 1989 und 1990 besuchte er Köln erneut und berichtete über sein Schicksal als Kriegsgefangener und Häftling in deutschen Lagern.