Intro überspringen

Gewalt gegen Zwangsarbeiter:innen in Köln

Sergej Stepanow

Sergej Stepanow bei seinem Besuch in Köln 1989
NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln
Sergej Stepanow bei seinem Besuch in Köln 1989
NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

Sergej Alexandrowitsch Stepanow wurde am 6. Oktober 1924 in Nikolajew (Ukraine, Sowjetunion) geboren. Als Offizier der Roten Armee geriet er im Alter von 19 Jahren im August 1943 schwer verwundet in deutsche Kriegsgefangenschaft. Mit weiteren 200 Offizieren brachte man ihn in ein Kriegsgefangenenlager bei Limburg (Stalag XII A) und von dort aus im März 1944 in eine Fabrik nach Mainz, wo er schwere Zwangsarbeit verrichten musste. Nachdem er sich dort über die harten Arbeitsbedingungen beschwert und zu Arbeitsverweigerung aufgerufen hatte, wurde er denunziert und ins Stalag XII A zurückgebracht. Wochenlange Einzelhaft folgte, ehe er im Juni 1944 vom Gestapo-Gefängnis Frankfurt am Main in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt wurde.

Ende September 1944 gelangte Stepanow nach Köln ins Messelager, ein Außenlager des KZ Buchenwald. Als Teil des Bombensuchkommandos musste er nun Blindgänger freilegen und entschärfen. Nicht wenige Häftlinge kamen bei dieser gefährlichen Arbeit ums Leben. Gemeinsam mit einem Freund gelang ihm am 22. November 1944 die Flucht. Da die Gefahr aufzufallen für flüchtige Zwangsarbeiter:innen hoch war, versteckte er sich einige Zeit im Krankenlager im Gremberger Wäldchen.

Meldung des SS-Außenkommandos „Westwaggon“ über Stepanows Flucht vom 24. November 1944.
Arolsen Archives

Mit neuer Frisur (man hatte Zwangsarbeiter:innen zur Wiedererkennung einen Streifen in die Haare geschnitten) lebte er anschließend unter falschem Namen im Barackenlager der Klöckner-Humboldt-Deutz AG und arbeitete ab Februar 1945 im Werk Kalk. Kurz vor Kriegsende hielt er sich erneut im Krankenlager Köln-Gremberg versteckt. Dort wurde er am 8. April 1945 Zeuge des Massakers, das Angehörige des „Volkssturms“ bei der Räumung des Lagers verübten und bei dem zahlreiche Zwangsarbeiter:innen ermordet wurden.

Am 11. April 1945 wurde Stepanow in Köln befreit. Nach einem Aufenthalt im DP-Lager Köln-Dellbrück kehrte er im August 1945 in die Sowjetunion zurück, wo er aufgrund seiner Gefangenschaft Repressionen ausgesetzt war, denn Kriegsgefangene wurden oft der Kollaboration oder des Verrats verdächtigt. 1989 und 1990 besuchte er Köln erneut und berichtete über sein Schicksal als Kriegsgefangener und Häftling in deutschen Lagern.

PODCAST
Das Krankenlager im Wald

Das Krankenlager im Wald – Vergessene NS-Verbrechen in Köln

Zwischen Bäumen und Stacheldraht
Folge 1

Zwischen Bäumen und Stacheldraht

Im Wald steht ein Stein. Er erinnert an 74 ermordete Menschen. Ein Zeitungsartikel am Baum …

00:20:15
Stimmen der Inhaftierten
Folge 2

Stimmen der Inhaftierten

Iwan Manschilin hatte eine Knieentzündung, Lydia Kiwwa litt an Malaria und Tamara Stafitschuk kam …

00:23:20
Cologne Case IV
Folge 3

Cologne Case IV

Kurz vor Kriegsende erlässt Alfons Schaller den Befehl das Lager zu räumen. Volkssturmmänner …

00:27:16
Wo kein Gras drüber wächst
Folge 4

Wo kein Gras drüber wächst

1949 wird die Bundesrepublik gegründet. Die Untersuchungen der Alliierten zu Verbrechen gegen die …

00:27:04
Gegen das Vergessen
Folge 5

Gegen das Vergessen

Die nahegelegen Autobahn soll ausgebaut werden. Dagegen regt sich Widerstand. In den Kreisen der …

00:24:25
Überleben
Folge 6

Überleben

Ein Weg ist nach ihr und ihrer Mutter benannt: Der Irena-Błażejewska-und-Anastasja-Młynarczyk-Weg. …

00:25:58