Erinnern
Der lange Kampf um Sichtbarkeit und Gedenken
Erinnerung ist kein selbstverständlicher Prozess. Das Gedenken an die Opfer des Lagers im Gremberger Wäldchen musste gegen Vergessen und Verdrängen erkämpft werden.
Ein frühes Mahnmal
Mitten im Gremberger Wäldchen steht ein etwa zwei Meter hohe Obelisk mit kyrillischer Inschrift. Er erinnert an 74 sowjetische Bürger, die zwischen 1941 und 1945 in deutscher Gefangenschaft ums Leben kamen.
Die genaue Herkunft des Mahnmals ist unklar. Vermutlich wurde sie auf Betreiben der Sowjetischen Militärmission aufgestellt, die sich in den späten 1940er Jahren um die Kennzeichnung von Grabsteinen sowjetischer Opfer kümmerte. Woher die Zahl 74 stammt und ob hier wirklich Menschen begraben liegen, wie es die Inschrift vermuten lässt, lässt sich aktuell nicht rekonstruieren.
Die VVN und der Beginn des aktiven Gedenkens
Trotz der Existenz des Gedenksteins blieb das Krankenlager über Jahrzehnte ein nahezu unsichtbarer Ort. Der Mantel des Schweigens und des Verdrängens lag über den Verbrechen. Sie passten nicht in das Selbstbild der frühen Bundesrepublik, in der die Auseinandersetzung mit der deutschen Schuld ausblieb.
Erst in den 1970er und 1980er Jahren begann sich diese Situation langsam zu verändern. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Mitglieder der VVN in Köln begannen sich mit kaum bekannten Tatorten und Opfern zu beschäftigen. Dabei wurden sie von einer Augenzeugin des Massakers vom 8. April 1945 auf das Lager im Wald aufmerksam gemacht und begannen mit regelmäßigen Gedenkveranstaltungen auf die Geschichte des Ortes hinzuweisen. Im Mai 1985 stellten sie eine Skultpur des Kölner Künstlers Klaus Balke auf, die dieser auf Inspiration der Kriegsfibel von Bertold Brecht angefertigt hatte.
Begegnung mit Überlebenden: Das Besuchsprogramm der Stadt Köln
Die „Projektgruppe Messelager“, einer Initiative zur Erforschung eines großen Außenlagers von Buchenwald auf dem Messegelände in Köln Deutz, veranstaltete im Mai 1989 ein großen Symposium zur Geschichte dieses Lagers und lud dafür ehemalige Zwangsarbeiter:innen nach Köln ein. Damit begann ein bundesweit einmaliges Besuchsprogramm, das später von der Stadt Köln mitunterstützt wurde: Ehemalige Häftlinge und Zwangsarbeiter:innnen wurden nach Köln eingeladen, um über ihre Verschleppung nach Deutschland und ihren Zwangsaufenthalt in Köln zu berichten. Erst durch ihre Berichte wurde das ganze Ausmaß der Zwangsarbeit in Köln bekannt. Entschädigungszahlungen für das erlittene Unrecht gab es leider nie. Durch Interviews mit Lidija Kiwwa, Tamara Stafitschuk, Sergej Stepanow, Iwan Manschilin und Irena Błażejewska wissen wir heute um die Verbrechen im Gremberger Wäldchen.